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Elle

Mit den Waffen einer Frau

13. Februar 2017

Die Filmstarts der Woche

Vom Beginn seiner Karriere in den frühen 70er Jahren in den Niederlanden war das Kino von Paul Verhoeven geprägt von einer grotesken, aber nicht wirklichkeitsfernen Verquickung von Sex und Gewalt. Man denke an seine erste Hollywoodproduktion, das Mittelalterdrama „Flesh and Blood“, in dem nicht nur eine üble Vergewaltigung, sondern auch eine Liebesszene zwischen zwei halb vergammelten Leichen am Galgenbaum Leben und Tod sowie Liebe und Gewalt näher aneinander rückten, als man möchte. Es folgten SF-Actionkracher wie „RoboCop“, „Total Recall“ oder „Starship Troopers“, dessen antifaschistischer Ton ebenfalls übersehen wurde. Dazwischen gab es zivilere Sex & Crime-Szenarien, die mal großen Erfolg hatten („Basic Instinct“), mal sensationell floppten („Showgirls“). In seinem ersten französischsprachigen Film „Elle“ (Cinenova, OFF Broadway) bringt er nun Sex und Gewalt auf den scheinbar naheliegendsten Ebenen zusammen: Vergewaltigung und Sadomasochismus. Das ist mal wieder äußerst verwegen, weil das eine mit dem anderen ja eigentlich nichts zu tun hat. Michèle (Isabelle Huppert), die alleine lebende Chefin einer Games-Firma wird von einem Unbekannten in ihrem Haus überfallen und vergewaltigt. Danach nimmt sie ein Bad und trinkt Rotwein. Diese äußerst ungewöhnliche Reaktion setzt sich in den nächsten Tagen fort: Sie geht zwar zum Arzt und lässt sich untersuchen, geht aber nicht zur Polizei. Erst Tage später erzählt sie ganz nebenbei Freunden von der Tat. Die sind im Gegensatz zu ihr höchst schockiert. Dann nimmt der Vergewaltiger mit unheimlichen Nachrichten erneut Kontakt zu ihr auf. Es beginnt ein gefährliches Spiel zwischen Michèle und dem Täter. Auf eine merkwürdige Art erscheint Michèle wie die düstere Variante von Isabelle Hupperts Figur Nathalie in Mia Hansen-Løves „Alles was kommt“, der im Sommer in den Kinos lief und eine ebenso emanzipierte und leicht kühle Frauenfigur zeigte. Verhoevens mit zwei Golden Globes prämierter Film scheint im Gegensatz zu Hansen-Løves wie ein Schlag ins Gesicht des Feminismus. Tatsächlich ist seine Variante eines Rape-and-Revenge-Films aber faszinierend ambivalent und niemals voyeuristisch.

„Bald bin ich genau wie ihr: Job, Familie, pervers großer Fernseher, Waschmaschine, Krankenversicherung, Eigenheimfinanzierung, Fitnesscenter, Abfluss sauber machen, über die Runde kommen, mich auf den Tag freuen, an dem ich sterbe.“ „Trainspotting“ bildete 1996 den Durchbruch für Regisseur Danny Boyle und seinen Hauptdarsteller Ewan McGregor. Zwanzig Jahre später folgt nun die Fortsetzung „T2 Trainspotting“ (Cinedom, Cinenova, Cineplex, UCI, OmU im Cinenova und Metropolis). Mark kehrt nach seinem Verrat zurück in die Heimat, Spud, Begbie und Sick Boy erwarten ihn schon. Boyles auf der Berlinale gefeiertes Sequel strotzt vor Ideen und Anspielungen, und seziert mit Lust das Älterwerden und die Ideale von früher und heute. Und auch eine Toilette spielt wieder eine wichtige Rolle. Doyle baut immer wieder kurze Schnipsel aus „Trainspotting“ in den Film ein, spielt Stücke aus dem Soundtrack an („Lust for Life“ oder „Born Slippy“ müssen nur für zwei Sekunden erklingen, und schon wird die ganze Vorgeschichte getriggert), erinnert mit grobkörnigen Bildern im Super-8-Format aber auch an die gemeinsame Kindheit der langjährigen Freunde. Und er findet auch neue Bilder mit dem Potential zum Kultcharakter.

Ende der 1950er Jahre lebt Troy Maxson (Regisseur Denzel Washington) mit seiner Frau (Viola Davis erhielt soeben den Golden Globe als Beste Nebendarstellerin) und den drei Kindern in Pittsburgh. Die Träume des Familienvaters von einer Profisportlerkarriere sind begraben, mit kleinen Gehalt hält er die Seinen über Wasser. Irgendwann entlädt sich der schwelende Frust. Mit „Fences“ (Cinedom, Cinenova, UCI, OmU im Metropolis) gelingt Denzel Washigton ein engagiertes Familiendrama nach einem Theaterstück von August Wilson, die Geschichte eines Vaters, der Angst hat, eines Tages im Schatten seines Sohnes zu stehen. Wilson, 2005 verstorben, lieferte noch zu Lebzeiten die Drehbuchadaption des Dramas, das Washington und Davis bereits am Broadway spielten. Das Drama ist bei aller Theatralik stark: Vor allem das männliche Selbstverständnis als Familienoberhaupt, der „starke Mann“, der uneinsichtig und unreflektiert seinen Prinzipien treu bleibt, seine Schwächen schön redet, von sich auf andere schließt und sich von Opfern befreit, die er anderen zumutet, ist trefflich skizziert und mitnichten ein Relikt des letzten Jahrhunderts. Großes Dialogdrama mit zwei tollen Hauptdarstellern.

Außerdem neu in den Kinos: James Schamus' Romanverfilmung „Empörung“ (Weisshaus) mit Logan Lerman, Sven Unterwaldts Trennungskomödie „Schatz, nimm du sie“ (Cinedom, Cineplex, UCI), Chad Stahelskis Actionsequel „John Wick: Kapitel 2“ (Cinedom, Cineplex, UCI) und, nicht nur für Kinder, Claude Barras' Knetfigurenabenteuer „Mein Leben als Zucchini“ (Cinenova, Filmpalette, Metropolis, Weisshaus).

Redaktion choices.de

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