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Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes

Mensch, nicht Missionar

11. Juni 2018

Die Filmstarts der Woche

Die Stärke von Wim Wenders' „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Cinedom, Cinenova, Cineplex, Odeon, Residenz, Rex am Ring, UCI, Weisshaus) erschließt sich unmittelbar: Papst Franziskus öffnet sich hier im Gespräch, sehr persönlich, sehr direkt. Als Mensch, nicht als Missionar. Es ist nicht abzusehen, inwiefern der Klerus, der von seinem Oberhaupt für Raffgier und „geistliches Alzheimer“ beschuldigt  wird, künftig zur Demut findet und seine Botschaft weiter tragen wird. Allein deshalb schon ist dieser Film von Wim Wenders so wichtig, macht er damit doch vielen Menschen schon jetzt die Hinterlassenschaft dieses besonderen, weltoffenen Kirchenoberhaupts nachhaltig zugänglich. Im Jahr 2013 wurde Wenders vom Vatikan zu einem Filmprojekt über den neuen Papst angefragt, und dem Regisseur wurden bis in den finalen Schnitt alle Freiheiten zugesprochen. Wenders und Papst Franziskus führten vier Gespräche. Zusätzlich inszenierte der Filmemacher mit einer historischen Handkurbelkamera Reenactment-Szenen, die das Wirken von Franz von Assisi, dem Vorbild des Papstes, illustrieren und den Film charmant rahmen. Außerdem sehen wir den Papst auf seinen Reisen, im Migrantenlager, vor der UNESCO, im Katastrophengebiet, vorm US-Senat. Vor allem aber hören wir Franziskus zu und erleben einen wachen, belesenen, gesellschaftspolitisch engagierten Mann mit Weitblick. Ein Papst, der im Jetzt lebt. Ein Papst, der zuhört. Jetzt müssen ihm nur noch die Menschen zuhören. Wenn sich die PolitikerInnen im US-Senat, die Papst Franziskus zu Vernunft und Verantwortung gemahnt, nach fast jedem seiner Sätze hohl und hysterisch zu Standing Ovations hinreißen lassen, wenn man weiß, dass sie dabei nichts von dem Gesagten auch nur ansatzweise beherzigen werden, dann kommen grundsätzliche Zweifel auf. Dann wird offensichtlich, was der 81-Jährige meint, wenn er von einer „tauben Welt“ spricht. Papst Franziskus wendet sich an alle Menschen, und so ist es nur folgerichtig, dass dieser Film tatsächlich auch in allen Lichtspielstätten zur Aufführung kommt, vom Filmkunstkino bis zum Multiplex. Und fürwahr, der Kinosaal ist gut gewählt, eignet sich dieser Ort doch ganz besonders gut zum Zuhören.

Moderne Horrorfilme („Paranormal Activity“, „Insidious“) variieren bevorzugt eine effektive Masche: Sporadisches Erschrecken! Doch wirklich abendfüllend beklemmend zu gruseln, das schafft kaum noch einer. Der „Frau in Schwarz“ gelang dies 2012 sehr ordentlich, „Hereditary – Das Vermächtnis“ (Cinedom, UCI, OmU im Cinenova) nun schafft es meisterlich. Regisseur Ari Aster hat die Klassiker gesehen und aufgepasst. Er selbst zeichnet verantwortlich fürs Drehbuch und spinnt eine Geschichte über eine Familie, über die das Grauen losbricht. In seinem Spielfilmdebüt, das Aster famos unangenehm bedächtig erzählt, jongliert er souverän mit Genreelementen und verdichtet sie bei herausragender Kameraarbeit, Sounduntermalung und Montage zu einem Sog, der einen zwei Stunden lang nicht loslässt. Nichts für schwache Nerven!

Außerdem neu in den Kinos: Yvan Attals Feelgoodkomödie „Die brillante Mademoiselle Neïla“ (Cinenova, OFF Broadway, Rex am Ring), die außergewöhnliche Entdeckungstour „Sternenjäger - Abenteuer Nachthimmel“ (Filmpalette), Ritesh Batras Romanverfilmung „Vom Ende einer Geschichte“ (Rex am Ring, OmU in der Filmpalette) und Ron Sheltons Seniorenkomödie „Das ist erst der Anfang“ (Cinedom, Residenz, Rex am Ring, OmU im Metropolis). Dazu startet Rob Greenbergs Komödienremake „Overboard“ (Cineplex, UCI).

Redaktion choices.de

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