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DDR-Diversity im Eröffnungsfilm „Becoming Black“
Foto: Ines Johnson-Spain

Filmische Freiräume!

11. März 2020

Das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln zeigt Vielfalt – Festival 03/20

Filmfestivals schaffen einen Freiraum für Filme, die sich im täglichen Kinobetrieb nicht unbedingt durchsetzen können. Es sind vor allem filmische Minoritäten – geografische oder thematische Randgebiete – die hier ihren Platz finden. Alleine in Köln gibt es neben unzähligen Filmreihen Festivals für den afrikanischen, den iranischen, den türkischen oder den südamerikanischen Film, für den Kurz-, den Musik-, den Kinder- und den Dokumentarfilm und nicht zuletzt für den Film von und über Frauen, denn auch Frauen sind in der Filmbranche nach wie vor eine Minderheit.

Jedes neue Festival, das sich für die Sichtbarmachung eines vernachlässigten Themas einsetzt, ist eine Bereicherung für die Filmlandschaft. Wenn sich ein für diesen Frühling neu angekündigtes Kölner Festival nun auf die Fahnen schreibt, für das politisch Unkorrekte einzustehen, weil die hiesige Filmlandschaft angeblich gleichgeschaltet sei, dann ist das irritierend. Denn wenn in Anbetracht einer solch ausdifferenzierten Festivallandschaft von Gleichschaltung geredet wird, fällt es schwer an die Ahnungslosigkeit der neuen Protagonisten zu glauben. Vielleicht ist so viel Heterogenität gar nicht im Sinne der „politisch Unkorrekten“, die bei ihrer Selbstbeschreibung an Diversität – eine Errungenschaft der Political Correctness – wahrscheinlich zuletzt interessiert sind und im allseits bekannten Umkehrspiel mit tendenziösen Behauptungen Meinung machen. Die von ihnen vermisste Vielseitigkeit der Filmlandschaft zeigt sich nicht zuletzt beim Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund / Köln (IFFF) – einem Festival, das sich seit Jahrzehnten für eine pluralistische Filmlandschaft einsetzt.

Im letzten Jahr hat nach 20 Jahren die Filmkuratorin und Dozentin Maxa Zoller die Festivalleitung von ihrer Vorgängerin Silke Räbiger übernommen. Das inzwischen größte deutsche Frauenfilmfestival findet alternierend in Dortmund und Köln statt. Während im vergangenen Jahr das Festival unter dem Titel „Bilderfallen – Täuschung, Tarnung, Maskerade“ in Dortmund über Filmbilder reflektierte, ist vom 24. bis zum 29. März Köln wieder als Austragungsort an der Reihe. Neben Altbewährtem bietet die kommende Ausgabe des Festivals auch einige Neuerungen.

In diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Thema „Nach der Wende 1990/2020“. Damit sollen bislang eher marginalisierte Erfahrungen von ostdeutschen Filmemacherinnen thematisiert werden. Der Debüt-Spielfilmwettbewerb schickt acht internationale Produktionen aus Australien, Brasilien, Kasachstan, Marokko, Taiwan oder Zypern ins Rennen um den Preis, auch die Gewinnerin des von choices gestifteten Publikumspreises wird am Ende des Festivals gekürt. Einen Blick auf unsere Gegenwart, aber auch eine mögliche Zukunft werfen die Filme der Sektion „Panorama“. Die hier gezeigten Dokumentarfilme widmen sich sozialen und kulturellen Themen, zum Teil autobiografisch erzählt. Queere Themen verhandelt die Sektion „begehrt! – filmlust queer“. Hier werden neben Dokumentarfilmen auch Spielfilme gezeigt, die sich mit der Tabuisierung nicht-binärer Körper oder nicht-pornografischen Bildern von Sex auseinander setzen. Die im nationalen Wettbewerb alle zwei Jahre in Köln vergebenen Preise für die beste Bildgestaltung gehen in diesem Jahr im Bereich Spielfilm an Sabine Panossian für ihre Arbeit an „Off Season“ und im Bereich Dokumentarfilm an Doro Götz für ihre Arbeit an „Lost in Face“.

Auch das Werkstattgespräch widmet sich in diesem Jahr der Bildgestaltung, wenn die Kamerafrau Claire Mathon, die zuletzt mit ihrer Arbeit für Céline Sciammas „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ begeisterte, von ihrer Kunst berichtet. Themenverwandt ist der Vortrag und anschließende Workshop zum Thema „Gender-Licht“. Die Beleuchterin Therese Andersson und die Bildgestalterin Katja Rivas Pinzon hinterfragen den aktuellen Produktionsstandard, Frauen und Männer in Nahaufnahmen unterschiedlich auszuleuchten und suchen nach alternativen Modellen. Ein reiches Angebot für Reflexion und Diskussion. Es muss wohl schwer fallen, diese Vielfalt zu übersehen. 

Internationales Frauenfilmfestival Dortmund | Köln | 24.3. - 29.3. | Festivalzentrum: Altes Pfandhaus; weitere Orte: Odeon, Filmforum, Filmpalette, ifs und Temporary Gallery | www.frauenfilmfestival.eu

Das Festival wurde wegen des Corona-Virus abesagt und soll nun entweder im Herbst nachgeholt oder auf mehrere Einzelveranstaltungen im Jahr verteilt werden.

Bis Sonntag, 29.3.  gibt es zudem jeden Abend eine Aktion (IFFF Talk und Filme) auf Facebook, Instagram, Vimeo. 

Christian Meyer-Pröpstl

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