
Renoir
Frankreich 2012, Laufzeit: 112 Min., FSK 0
Regie: Gilles Bourdos
Darsteller: Michel Bouquet, Christa Theret, Vincent Rottiers
>> www.renoir-derfilm.de
Zauberhaftes Künstlerdrama
Licht und Schatten
„Renoir“ von Gilles Bourdos
Zauberhaft melancholisch und mit großartigen Bildern – so präsentiert Gilles Bourdos seinen Film über Auguste Renoir und seine letzte Muse, Andrée, die schließlich zu seinem später als Filmregisseur bekannten Sohn Jean findet. In der heiteren Landschaft der französischen Mittelmeerküste entwickelt sich die ruhig erzählte Geschichte zwischen dem alten Mann, seinem Sohn und der jungen Andrée, zu einer Dreiecksgeschichte, die den Umbruch der Weltgeschichte spiegelt.
Während draußen der erste Weltkrieg tobt, lebt Renoir in seiner Idylle an der Cote d'Azur. Eigentlich geht es ihm blendend. Doch ein herrschaftliches Anwesen mitten in der schönsten Landschaft Frankreichs, jede Menge Haus- und Pflegepersonal – offenbar alles ehemalige Modelle und Geliebte des Meisters – können seine Lebenskraft kaum mehr entflammen. Zu sehr nagen der Tod seiner Frau und die immer schlimmer werdende Arthrose, die beinahe all seine Gelenke befallen hat, an ihm. Da kommt, wie durch ein Wunder, eine neue Muse in sein Haus. Die junge, rothaarige Schönheit Andrée spricht vor und behauptet, von Frau Renoir geschickt worden zu sein. Ohne zu ahnen, dass diese bereits tot ist, wird sie beim Meister vorgelassen, der die Botschaft aus dem Jenseits nutzt, um seinen letzten Frühling zu erleben. Er engagiert Andrée als Aktmodell und nimmt die tägliche Arbeit wieder auf. Unter Schmerzen lässt er sich die Hände verbinden, damit er überhaupt noch einen Pinsel halten kann, bereit alles zu geben, um noch einmal das Feuer seiner Leidenschaft kurz aufleben zu lassen.
Als sein Sohn Jean aus dem Krieg nach Hause kommt, um eine Beinverletzung auszukurieren, gewinnt der schöne junge Mann bald die Aufmerksamkeit von Andrée. Und so erleben die beiden einen gemeinsamen Frühling der Liebe, und während sein Vater einen Akt nach dem anderen malt, träumt der Sohn von einer Karriere als Filmregisseur, mit Andrée als Star.
Licht und Schatten, die beiden Grundaspekte im Film und in der Malerei, bestimmen das Werk von Gilles Bourdos, das sich wohltuend abhebt von üblichen Biopics. Hier wird ein Künstler weder demontiert noch auf Rosen gebettet – und eigentlich geht es ebenso um Andrée und Jean wie um Renoir. Da ist, auf der einen Seite der besessene Künstler, der sich wie ein orientalischer Herrscher mit seinem Harem umgibt. Er symbolisiert in seiner leidenschaftlichen Egozentrik und seiner Flucht vor der Wirklichkeit einen überholten Künstlertypus, der durch die Schrecken eines furchtbaren Krieges zum Auslaufmodell wird. Auf der anderen Seite steht Andrée – die neue Frau: selbstbewusst, fordernd und willensstark. Und zwischen ihnen Jean, der feinsinnige, junge Mann, der sich zwischen patriarchalisch geprägtem Heldentum und seinem eigenen Wunsch nach Unsterblichkeit entscheiden muss.
Regisseur Gilles Bourdos erzählt diese Dreiecksbeziehung mit pittoresken Bildern, die im klassischen Ambiente des französischen Impressionismus schwelgen, und taucht sie in die Farben des ewigen Frühlings, von dem der alte Renoir nur noch träumen kann. Und wenn am Ende der junge Renoir wieder in den Krieg zieht, scheint sich die Sonne des Lebens für den alten zu senken, aber Andrée wird auf Jean warten und mit ihm zusammen Filmgeschichte schreiben.

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