
Deutschland von oben
D 2012, Laufzeit: 110 Min., FSK 0
Regie: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus
>> www.deutschland-von-oben.com
Aufregende Reise durch die Heimat
Jahresurlaub
„Deutschland von oben“ von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus
Die Fernsehserie „Deutschland von oben“ der Terra-X-Reihe des ZDF geht 2013 in die dritte Staffel – vorher kommt das Format noch zu Leinwand-Ehren. Und das, was uns die Dokumentarfilmer und Autoren Petra Höfer und Freddie Röckenhaus darbieten, kann sich sehen lassen. Knapp 300 Stunden Filmmaterial wurden für den Kinoauftritt auf zwei Stunden verdichtet, den erzählerischen Rahmen bilden die zwölf Monate eines Jahres. Das bietet sich nicht nur an, man bleibt damit zugleich dramaturgisch weitestgehend flexibel. Angefangen im verschneiten Januar in den Bergen Süddeutschlands folgen die Eindrücke dem Land und den Jahreszeiten.
Die eigentliche Hauptrolle spielt eine High-Definition-Kamera namens Cineflex V 14, die, an der Nase eines Hubschraubers befestigt, schlicht Aufnahmen gewährt: Elegant schweben die Bilder durch die Höhen, mal allein, mal begleitet von Wildgänsen, Kranichen oder Männern in Wing Suits. Die optischen Eindrücke sind überbordend, über sechzig Drehorte weist der Film auf. Sei es das Elbsandsteingebirge der Sächsischen Schweiz, Hochöfen im Ruhrpott oder die Hochhausschluchten der Geldmetropole Frankfurt: Die Reise spiegelt gelungen die Heimat. Streng genommen nicht immer von oben, aber jederzeit erhaben, schwebend und immer in Bewegung. Musikalisch begleitet von Boris Salchow, der stimmungsvoll der Montage folgt, treibend, verspielt, verträumt, gleitend. Kommentiert von Synchronsprecher Benjamin Völz (Keanu Reeves, Charlie Sheen), der in wohldosierten Häppchen Interessantes, Amüsantes und Nachdenkliches zum Besten gibt. Der Komment meint auch mal zu wissen, dass Gänsen das Fliegen Spaß macht, dass sich im sommerlichen Tierpark Hellabrunn „selbst Tropenbewohner wie zu Hause“ fühlen. Oder er gibt sich mal ungewollt zynisch, wenn er von Robben in „übergroßen Pelzmänteln“ erzählt. Überhaupt bewegt sich der Off-Text jenseits ökologischer oder zivilisationskritischer Betrachtung – man konzentriert sich auf die Schauwerte, kommentiert, dem Titel entsprechend, von oben, aus der Ferne, oberflächlich, skizzierend. Doch dazu gehören auch nette Denkanstöße, und insgesamt ist das äußerst gelungen, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Textdichte.
Neben den Beobachtungen hantieren Höfer und Röckenhaus mit Gimmicks wie Zeitrafferaufnahmen oder Animationen, welche die Tagestour von Robben oder Interkontinentalflüge von Kranichen oder Wildgänsen grafisch nachvollziehen. Auch das ist faszinierend anzuschauen. Darüber hinaus greift man ins Archiv, denn auch vor siebzig Jahren wurde Deutschland schon von oben gefilmt, als etwa Hamburg von den Alliierten bombardiert und Dresden in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Filmemacher interessiert an dieser Stelle der architektonische Blick, das Vorher und das Nachher. Vor allem aber interessiert sie das Heute: die Draufsicht auf Idylle, Schöpfung, Abenteuer, auf Menschen, Tiere, Zivilisation. Schauwerte in fließender Montage. Das Format braucht den Vergleich mit den Vorbildern der BBC nicht zu scheuen.
(Hartmut Ernst)

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