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Playing God

Dieser Mann macht Sie reich – oder arm

05. Februar 2018

Die Filmstarts der Woche

Wieviel Dollar ist das Leben eines Feuerwehrmanns Wert, der im World Trade Center ums Leben gekommen ist? Welche Entschädigung hat ein Schrimp-Fischer verdient, der unter den Folgen der Deepwater-Horizon-Katastrophe leidet? Diese Fragen sind der Berufsalltag von Kenneth Feinberg. Der 72-jährige Anwalt ist Amerikas berühmtester Entschädigungsspezialist. Zuständig für aktuelle Rentenkürzungen im Rust Belt wie für Vorstandsgehälter während der Finanzkrise. Die deutsche Filmemacherin Karin Jurschick hat seine Arbeit in „Playing God“ (OmU in der Filmpalette) dokumentiert. Entstanden ist dabei nicht nur das Portrait eines bemerkenswerten Volljuristen, sondern eine ungewöhnliche Bestandsaufnahme des bankrotten amerikanischen Sozialsystems, die nebenbei Einblick gibt in die Probleme aktueller Politikvermittlung.

Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) lebt getrennt von seiner Frau, eine Native-American, nahe eines Indianerreservats. Als er ein junges Mädchen aus dem Reservat tot im Schnee findet, wird schnell die Bundespolizei hinzugezogen. Die junge Polizistin Jane Banner (Elizabeth Olsen) ist der Situation kaum gewachsen, arrangiert sich aber mit Lambert, um den zunehmend mysteriösen Fall aufzuklären. Regisseur Taylor Sheridan, bekannt als Autor von „Sicario“ und „Hell or High Water“, hat „Wind River“ (Cinedom, Lichtspiele Kalk, UCI, OmU im Metropolis und OFF Broadway), den letzten Teil seiner Trilogie, als Regiedebütant gleich selbst inszeniert. Das macht er zugleich so spannend, sensibel und klug, als wäre er ein Routinier. Nie hat man den Eindruck, dass er die Lebenssituation der American Indians als Schmuck für seinen Thriller verwendet – sie ist das Thema.

„Ich glaub, ich geh“, sagt Nora (Johanna Wokalek) und verschwindet Richtung Bratislava. Nora, Anfang vierzig, lässt ihren Mann Philip und die zwei Kinder zurück. Während sie sich neu erfindet, droht er, sich zu verlieren. Assoziativ, emotional, beklemmend folgt Jan Speckenbach in „Freiheit“ (Odeon) seiner Protagonistin beim freien Fall, von dem sie sich Freiheit erhofft. Er spinnt das Ende von Ibsens „Nora“ weiter, findet dabei aber – das ist die einzige Schwachstelle – selbst kein überzeugendes Ende. Die rar gesäte Musik illustriert das Geschehen so pointiert und stimmungsvoll wie ein Zitat aus Astrid Lindgrens „Gebrüder Löwenherz“ oder die Bildprojektionen, die der Regisseur über das Geschehen legt. Eine wundersame, traurige Flucht, die verdrängte Sehnsüchte anspricht und tief berührt.

Außerdem neu in den Kinos: Kaspar Astrup Schröders Doku „Big Time“ (OmU in der Filmpalette), Mareille Kleins Kinderwunsch-Drama „Dinky Sinky“ (Rex am Ring) und James Foleys Sequel „Fifty Shades of Grey - Befreite Lust“ (Autokino Porz, Cinedom, Cineplex, Residenz, Rex am Ring, UCI, OmU im Metropolis).

Redaktion choices.de

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