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Das Familienfoto

Das Leben geht weiter

13. Mai 2019

Die Filmstarts der Woche

Am Anfang eine Beerdigung und viele genervte Familienmitglieder. Die aber müssen sich zusammenraufen, denn die demente Oma ist nun allein und hilfsbedürftig. Ins Heim mit ihr? Oder sie abwechselnd – und damit in 5 Wohnungen – aufnehmen? 4 Generationen: die Oma, die Eltern (geschieden) und 3 erwachsene Kinder und deren Liebesleben plus ein Enkel, der seiner Mutter (Vanessa Paradis) Sorgen macht. „Das Familienfoto“ (Cinenova, Rex am Ring) ist ein Ensemblefilm, der liebevoll und mit Witz seine Charaktere und besonders die diffizilen Beziehungen der drei Geschwister entwickelt. Sie alle mit ihren traurigen und lustigen Macken nimmt  Regisseurin und Autorin Cécilia Rouaud in ihrem erst zweiten Spielfilm ernst. Die brillanten Akteure – in Frankreich ausnahmslos Stars – schenken dem Film mit Timing und Natürlichkeit viel Esprit und Charme. 

Die junge Frances (Chloë Grace Moretz, „Kick-Ass“) zieht von Boston nach Manhattan, teilt sich eine WG mit einem Partygirl und jobbt in einem Restaurant. Als sie in der U-Bahn eine herrenlose Handtasche findet, macht sie die Besitzerin ausfindig und sucht sie auf. Aufrichtigkeit, die nicht belohnt wird, denn Greta (Isabelle Huppert) gibt sich kultiviert, mondän und seelenverwandt, hat aber in Wahrheit ordentlich einen an der Waffel – und noch mehr Handtaschen in der Kommode. Ganz wunderbar oldschool serviert Neil Jordan („Interview mit einem Vampir“) mit „Greta“ (Cinedom, Residenz, Rex am Ring, UCI, OmU im Metropolis und OFF Broadway) einen in kuschliges Ambiente eingebetteten Stalker-Thriller, in der es der souverän aufspielenden Huppert gelingt, dem Monster zum immer skurriler ausklingenden Ende hin gar noch Sympathien abzugewinnen.

Ein knallgelbes Atelier, ein Starmodel (Ami Tomite) und ihre Assistentin (Mariko Tsutsui). Zwischen den beiden Frauen entsteht ein Spiel aus sexueller Erniedrigung, Hörigkeit und Unterwerfung, das von Visionen durch- und von Regieanweisungen unterbrochen wird. „Antiporno“ (OmU in den Lichtspielen Kalk) ist ein schrilles Drama von Sion Sono („Love Exposure“, „Tokyo Tribe“), in dem Realität und Inszenierung verschwimmen. Schön heftig und trotzdem uneindeutig spielt der Film mit unseren Sehgewohnheiten und Sehabhängigkeiten.

Außdrdem neu in den Kinos: Marie Kreutzers Frauendrama „Der Boden unter den Füßen“ (Filmpalette), Hafsteinn Gunnar Sigurðssons rabenschwarze Tragikomödie „Under the Tree“ (Cineplex), Kanwal Sethis Romanze „Once Again - Eine Liebe in Mumbai“ (OmU in der Brotfabrik Bonn), Florian Heinzen-Ziobs Doku „Klasse Deutsch“ (Filmpalette, Odeon), Ry Russo-Youngs Liebesgeschichte „The Sun is also a Star“ (Cineplex, UCI) und John R. Leonettis Schocker „The Silence“ (Cinedom, Cineplex, Rex am Ring, UCI).

Redaktion choices.de

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