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Wir

Alptraumfamilie

18. März 2019

Die Filmstarts der Woche

Mit „Get Out“ lieferte Regisseur Jordan Peele großartigen, vielschichtigen Horror. In seinem zweiten Werk „Wir“ (Autokino Porz, Cinedom, Cineplex, Rex am Ring, UCI, OmU im Metropolis und OFF Broadway) schickt er eine vierköpfige Familie in ein Ferienhaus zu Freunden am Strand. Dann aber, eimes dunklen Abends, kommt der kleine Jason ins Wohnzimmer und vermeldet: „In unserer Auffahrt steht ne Familie!“ Und tatsächlich, die Familie wird von einer anderen, ebenfalls vierköpfigen Familie heimgesucht. Und dann wird es richtig unheimlich: „Die sehen genauso aus wie wir!“ Schon bald entpuppen sich die fremden, aber wohlbekannten Eindringlinge als ernste Bedrohung. Und der ursprünglich als Clown arbeitende Jordan Peele startet einen aberwitzigen Horror-Ritt durch unsere moderne Familien- und Wertewelt. Einen aufregenden Twist nach zwei Dritteln inbegriffen. Peeles neues Werk steht weit über dem Durchschnitt vergleichbarer Produktionen, wobei man sich fragen muss: Was ist hier überhaupt vergleichbar – und das schon macht Peele ja besonders. Handwerklich bleibt die Angelegenheit rundum souverän, besonders hervorzuheben sei hier der Schnitt (Nicholas Monsour). Und so inszeniert Peele diesmal in Sachen Humor auch mal plump und präsentiert sich insgesamt nicht ganz so subtil wie beim Vorgänger, bleibt aber weiterhin aufregend visionär.

1897 hat der 29-jährige Pariser Autor Edmond Rostand (Thomas Solivérès) ein Problem: Seine Theaterstücke sind brillant, floppen aber furchtbar. Ein weiteres Problem kommt dazu, als der berühmte Schauspieler Coquelin (Olivier Gourmet) verkündet, bei der Premiere von Edmonds „Cyrano de Bergerac“ in drei Wochen die Hauptrolle spielen zu wollen. Denn von dem Stück existiert bisher nur der Titel – und die vage Idee eines Helden mit riesigem Zinken. Kein Zufall, wenn der Lebenschaos-inspiriert-Kunst-Plot bekannt klingt. „Shakespeare in Love“ (1998) inspirierte Schauspieler-Regisseur Alexis Michalik vor drei Jahren zum Theaterstück „Edmond“  und nun zu diesem herrlich sorglosen, nicht unbedingt faktenorientierten Belle Époque-Kinospaß „Vorhang auf für Cyrano“ (Cinenova, Weisshaus) über das meistgespielte französische Bühnenwerk aller Zeiten.

Auf der Terrasse einer Strandvilla nahe Marseille wartet ein Mann stumm auf den Tod. Seine alternden Kinder sind gekommen, um sich ihm, einander und den Verwerfungen des eigenen Lebens zu stellen. Da sind die traurige Schauspielerin Angèle (Ariane Ascaride), Joseph (Jean-Pierre Darroussin) mit seiner blutjungen Freundin und Armand (Gérard Meylan), der einzige, der damals blieb, um das Familienrestaurant zu führen. Gleichzeitig erreicht ein Flüchtlingsboot die Bucht. In seinem leise berührenden Drama „Das Haus am Meer“ (Odeon) über Sinnsuche und Vergänglichkeit lässt Robert Guédiguain („Café Olympique“, 2014) die Hauptfiguren auch die kleinste innere Regung ausspielen, dass es oft schon an Statik grenzt. Um dann alle drei mit einem unerwartet harten Knall aus ihrer weltabgewandten Selbstreflexion zu katapultieren.

Außerdem neu in den Kinos: Valesca Peters' kurioses Porträt „Helmut Berger, meine Mutter und ich“ (Filmpalette), Elizabeth Chai Vasarhelyis und Jimmy Chins mit dem Oscar prämierter Dokumentarfilm „Free Solo“ (Rex am Ring, OmU im Cinenova), Tilman Singers Köln-Horrorfilm „Luz“ (Lichtspiele Kalk), Talal Derkis hochgelobte und für den Oscar nominierte Salafisten-Doku „Of Fathers and Sons - Die Kinder des Kalifats“ (OmU im Cinenova und Odeon), Jan Bonnys mit der Geschichte der NSU spielendes Drama „Wintermärchen“ (Lichtspiele Kalk) und Felicitas Darschins freche Mütter-Komödie „Frau Mutter Tier“ (Odeon). Dazu starten Alireza Golafshans Komödie „Die Goldfische“ (Cinedom, Cineplex, Rex am Ring, UCI, Weisshaus), Timo Vuorensolas ironisches Sci-Fi-Sequel „Iron Sky: The Coming Race“ (Cinedom, Cineplex, UCI) und, last and least, Til Schweigers US-Remake „Head Full of Honey“ (Cinedom, Cineplex, UCI).

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