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Kristin Roskifte
Foto: Svein Storksen

Ein Planet, viele Menschen

15. Juni 2022

„Alle zählen“ von Kristin Roskifte – Vorlesung 06/22

Eine fünfköpfige Familie auf der Couch, 20 Schulkinder im Klassenzimmer und 400 Menschen auf einer Demonstration – insgesamt leben etwa 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde, und jeder einzelne trägt eine Geschichte. In ihrem aktuellen Kinderbuch „Alle zählen“ bildet die norwegische Künstlerin Kristin Roskifte eine bunte und vielfältige Welt voller Individuen ab. Letztes Jahr im Gerstenberg Verlag erschienen erzählt das Zahlenbuch Leser:innen ab fünf Jahren auf einfühlsame Weise von der Komplexität unserer Existenz und davon, dass jedes Leben einzigartig und besonders ist.

Mit Leichtigkeit, Witz und viel Feingefühl führt Roskiftes Wimmelbuch das Lesepublikum durch verschiedenste Alltagssituationen. Dabei entspricht die Seitenzahl (bis Nummer 30) der Anzahl der abgebildeten Figuren auf einer Seite, wodurch das Buch wunderbar zum Zählenlernen geeignet ist. Die Szenerien reichen von Backwettbewerben über Vergnügungsparks bis hin zu Beerdigungen und Gefängnissen. Hier wird mit Stereotypen gebrochen, Vorurteile werden herausgefordert und Einzelschicksale kurz beleuchtet. Die Vielfalt des Buches zeichnet sich im Besonderen durch die Bilddarstellungen von Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe und Körperform, Größe sowie Beeinträchtigung aus. Unterstrichen wird dies durch farbige Illustrationen. Die bunten Figuren heben sich vom hellblauen Hintergrund ab, wodurch die einzelnen Seiten nicht überladen wirken, sondern der Blick vielmehr auf das Wichtigste gelenkt wird. Nichtsdestotrotz kann man in der reduzierten Darstellung der blauen Hintergrundlinien zahlreiche Details entdecken und so immer neue Geschichten um die Figuren, deren Beziehung zueinander und um den Gesamtkontext spinnen. Hier wird die Fantasie angeregt – am liebsten möchte man sich stundenlang in die Seiten des Buches vertiefen und alles ganz genau unter die Lupe nehmen.  

Am Ende des Buches finden sich knapp 100 Quizfragen, darunter auch philosophische Anregungen, die dazu animieren, über sich selbst und das eigene Sein nachzudenken. Auf der letzten Doppelseite werden außerdem ein paar „Geheimnisse“ aufgedeckt, die der Text erzählerisch andeutet – wer genau hinschaut, bemerkt, dass einige der Figuren auf mehreren Seiten auftauchen. Im Großformat fängt das Buch den Charakter des klassischen Wimmelbuchs ein und gibt der Bildebene genügend Wirkungsraum. Nicht umsonst ist „Alles zählen“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 nominiert – in 32 Sprachen übersetzt fördert das Buch Empathie und Offenheit.   

 

Kristin Roskifte: Alle zählen | Aus dem Norwegischen von Maike Dörries | Gerstenberg Verlag | ab 5 Jahren | 64 S. | 18 €

Daphne Koch

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