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Foto: Stadt Köln

Werkzeuge der Demokratie

Clemens Rehm über Transparenz, Aktenberge und das digitale Archiv – Thema 06/11

choices: Herr Rehm, (kommunale) Archive verstehen sich oft als „Werkzeuge der Demokratie“. Sie machen politisches und gesellschaftliches Handeln nachvollziehbar.
Clemens Rehm:
Es war ein langer Weg vom „Geheimarchiv“, das als juristische Rüstkammer der Herrschaft diente, bis zum allen offen stehenden Archiv als transparentes Fenster in die Vergangenheit. Das kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nur an den authentischen Originalen, den archivierten Papieren und Dateien, Texten und Bildern ist eine nachträgliche Kontrolle von Prozessen und Entscheidungen möglich.

Welche Rolle spielt das Stichwort „Bürgerarchiv“?
Dieser in den letzten Jahren von Köln ausgehende Begriff zielt auf jeden Fall in die richtige Richtung. Damit wird signalisiert, für wen in den Archiven gearbeitet wird – für die Bürger: z.B. Wissenschaftler, Familienforscher, Schüler oder einfach historisch Interessierte. Zugänglichkeit zu den Quellen zu fördern ist archivische Daueraufgabe; Archive ohne Nutzer sind tote Archive.

Clemens Rehm
Dr. Clemens Rehm arbeitet am Landesarchiv Baden-Württemberg, ist 1. Stellvertretender Vorsitzender des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. und bereitet für den Deutschen Archivtag 2011 die Sektion 1: Der Auftrag der Archive und die Novellierung der Archivgesetze vor.
Können Archive wirklich alles sammeln?

Das Archivieren von Mengen ist nicht so sehr eine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Unser Ziel muss sein, die wesentlichen Unterlagen, die über unsere heutige Zeit Auskunft geben können, zu ermitteln und für nachfolgende Generationen zu sichern. Diese Auswahl erfolgt nach fachlichen Kriterien, nach gesetzlichen Bestimmungen und zunehmend auch im Dialog mit den Nutzern.

Die Digitalisierung bietet den Archiven neue Möglichkeiten.
Das Thema ist unter archivischen Gesichtspunkten vielschichtig. Nur soviel: In der digitalen Welt können archivierte Unterlagen viel leichter zugänglich gemacht werden; aber die Langzeitsicherung – und das heißt die Erhaltung über Jahrhunderte – ist bei digitalen Unterlagen sehr aufwändig. Insofern bietet die digitale Welt den Archiven zwar Lösungen, aber zugleich auch neue Herausforderungen.

Und das „Archiv der Zukunft“?
Sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, bringt Lösungen für die Gegenwart – das können Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlichster Herkunft für sich im Archiv selber entdecken und erleben. Das Archiv des 21. Jahrhunderts wird als Bürgerarchiv vor Ort und im Internet eine Plattform der Kommunikation mit Zukunft sein. Da bin ich ganz zuversichtlich.

Interview: WOLFGANG HIPPE

Tags: Thema 06/11

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