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Foto oben: Gerne mit selbstreflexivem Salto: der Kölner Comiczeichner Leo Leowald beim Interview mit dem WDR
Foto: Leo Leowald

„Neues Publikum für Comics“

Uwe Petritt über Comicgeschäfte und -szene in der Stadt – Thema 12/11

choices: Herr Petritt, ist Köln eine Comic-Stadt?
Uwe Petritt:
Selbstverständlich, sonst wären wir nicht schon seit 1984 im Geschäft … (lacht) Die Szene lebt.

Es gibt nur wenige Comicläden …
Das Internet hat einiges verändert. Um an Comics zu kommen, braucht man nicht mehr den „Dealer“ seines Vertrauens aufzusuchen, sondern kann ganz bequem vom Sofa aus bestellen. Der stationäre Handel muss dagegen durch Fachkompetenz und guten Service sein Profil schärfen.

Wie läuft nun das Geschäft?
Uwe Petritt
Foto: privat
Uwe Petritt ist einer von zwei Gesellschaftern von Kölns ältestem Comicladen. „Pin Up“ wurde 1984 von Peter Orloff und Walter Wagner gegründet.
Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die Heftchen verschlingen, ist geringer geworden. Sammler von Comics sind meist älter, und gute Comics sind selten billig. Das Angebot ist differenziert. Die größte Veränderung haben in den letzten 20 Jahren allerdings die Mangas mit sich gebracht, die von einem jungen, vor allem weiblichen Publikum gelesen werden, die Comicbörsen werden nicht mehr allein von grauhaarigen Comic-Nerds dominiert. (lacht)

Ist diese thematische Vielfalt ein Vorteil?
Die Vielfalt bedingt, dass wir krisenunabhängiger sind. Seit in den Feuilletons von Spiegel, Zeit und Stern Graphic Novels besprochen werden, hat uns ein neues Publikum entdeckt, das bisher keinen Bezug zu Comics hatte. Dazu kommen die Comicverfilmungen wie aktuell der „Tim und Struppi“-Film. Plötzlich steigt die Nachfrage nach den klassischen Hergé-Alben, die im Film verarbeitet wurden.

Sind Sie mit den Verlagsprogrammen zufrieden?
Wie im klassischen Buchverlagswesen ist vieles spezialisiert. Neben den großen Verlagen wie Carlsen, Ehapa, Splitter, Panini oder Cross Cult sorgen kleine Verlage wie Kult Editionen, Schreiber & Leser, Comicplus, Salleck, Edition 52 oder der ambitionierte Berliner Reprodukt-Verlag für ein abwechslungsreiches Angebot.

Welche Bedeutung spielt dabei die Intercomic, die seit 35 Jahren zweimal jährlich in der Mülheimer Stadthalle stattfindet?
Die Comic-Messe spielt eine wichtige Rolle. Vor allem sorgt sie dafür, dass Comics im Gespräch bleiben. Aus diesem Grunde ist Köln in Sachen Comics mit Verlagen, Läden und Messe gut aufgestellt. Comics haben inzwischen auch einen festen Platz im Buchhandel.

INTERVIEW: DIETER WOLF

Tags: Thema 12/11

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