Er ist zwei Mal sitzen geblieben und schließlich von der Schule geflogen – heute gehört Jürgen Becker zu den beliebtesten und bekanntesten Kabarettisten der Republik: der Kölner Heimathirsch ist ein Phänomen – und ein Künstler, der mit dem, was er sagt und tut, identisch ist. Hat man selten genug. Noch seltener ist es, dass einer von ihnen fünf Jahre lang ein und dasselbe Programm spielt. Im November 2006 hatte „Ja, was glauben Sie denn?“ in Köln Premiere. Am 17. spielt er es in seiner Heimatstadt zum letzten Mal – und zwar Open Air im Tanzbrunnen.
Wer die Location (neudeutsch für: Veranstaltungsort) kennt, ahnt, dass es sich hier um ein Mega-Event (neudeutsch für: ein ganz besonderes Ereignis) handelt. Becker allein auf einer Bühne, die ansonsten Linus und seine „Talentprobe“ sowie bei „Nightwash“ diverse Comedians ins rechte Licht rückt, auf einem Gelände, das Platz für bis zu 12500 Zuschauer bietet und regelmäßig mit einem Fischmarkt aufwartet.
Hier wird er über Platon, Zarathustra und Eusi Erbstösser, den religiös ambitionierten Klempner sprechen – ein Mann, der mit seinem R4-Kastenwagen sechs Jahre verschwunden war und plötzlich wieder auftauchte. Klar, ich habe das Programm bereits gesehen – und Sie vielleicht auch. Auch klar: das Gedächtnis bedarf hin und wieder eines Eintauchens in den Jungbrunnen des dialektischen Denkens, eine Übung, die Beckers Religions-TÜV leicht macht, indem er mitten ins Humorzentrum des Hirns zielt – doch, das gibt es, ob Sie es glauben oder nicht. Auch wenn die Medizin sich mit der Ortung dieses Zentrums schwer tut. Aber wer einmal erlebt hat, wie gut beide Areale – die des Denkens und des Lachens – zusammen passen, wie sie sich ergänzen und wechselseitig befruchten und die Lachmuskulatur in Bewegung setzen, der weiß, wovon ich rede. Becker kennt den Rheinländer aus dem Effeff: „Der nimmt Gott mehr so als seelische Hausratversicherung… weil man den vielleicht noch mal gebrauchen kann“, umreißt er jene Spezies von gläubigen Katholiken.
Wenn man vom Tanzbrunnen in Richtung Bonn immer am Rhein entlang spazieren würde, käme man irgendwann an der Kennedy-Brücke der einstigen Bundeshauptstadt an. Um rechtzeitig am 7. Juni um 20 Uhr da zu sein, sollte man sich rechtzeitig auf den Weg machen – so man dabei sein möchte, wenn die Crème de la Crème der Kleinkunst sich bei der Prix-Pantheon-Gala im Brückenforum die Ehre gibt.
Als da wären: Jürgen Becker (!), Andreas Rebers, Heinrich Pachl, Dave Davis, die Geschwister Pfister, Harry Rowohlt und natürlich die diesjährigen Preisträger Gunkl, Philip Simon und Frank Fischer. Gespannt darf man darauf sein, wer den per Internetvoting ermittelten TV-Prix-Pantheon erhält, den der Oberpantheonike und Moderator Rainer Pause an diesem Abend bekannt gibt. Meine ganz persönlichen Favoriten sind Helge und das Udo, der lange Kieler mit dem schnellen Mundwerk und der kurze Schwabe, die locker alle Fragen der Menschwerdung an einem Abend beantworten – und überdies begnadete Improvisationskünstler sind. Eine Empfehlung, die nicht den geringsten Einfluss auf Ihre eigene Wahl ausüben sollte – schwört wie immer hoch und heilig die Ihnen stets ergebene
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