Vor kurzer Zeit durfte ich den Leiter des Historischen Zentrums Wuppertal in der seinem Museum angefügten Cafeteria interviewen. Es ging um das brisante Thema „Karneval in Wuppertal“. Der gebürtige Düsseldorfer, der über 20 Jahre beim Historischen Archiv der Stadt Köln arbeitete, attestierte dem Bergischen Völkchen lupenreine Humorfreiheit und krönte diese Aussage noch mit dem Ausspruch „Jewollt und nit jekonnt“, um das unnärrische Treiben dort zu charakterisieren. Ich hätte mich natürlich sofort diskret verabschiedet und das ganze Band des Interviews gelöscht, wäre nicht eine Bedienstete der Cafeteria hinter dem Buffet zugegen gewesen. Mit hochrotem Kopf und am ganzen Körper zitternd verließ die Dame eilig ihren angestammten Arbeitsplatz. Ich konnte unbeschadet Wuppertal verlassen. Über das Schicksal von Dr. Illner weiß ich aber nichts. Bezüglich Karneval versteht man in der pietistisch-fundamentalistischen Metropole allerdings keinen Spaß. Die evangelikalen Scheiterhaufen brennen nicht so oft, dafür aber heißer als die katholischen. Wie also ist der Historiker noch zu retten? Können die Kölner Funken ihn in einer Kommandoaktion befreien? Wir bleiben am Ball.
In Köln ist der Karneval am schönsten im Veedel – behaupten zumindest die Alteingesessenen hier. Aber das Viertel ist nicht nur soziokulturelle Bezugsgröße, sondern auch politischer Distrikt. Nach dem närrischen Hit IN UNSERM VEEDEL ist in diesem Monat das choices-Thema benannt, bei dem die Rolle der insgesamt neun Stadtbezirke und deren Bezirksbürgermeister beleuchtet wird. Zwischen Lindenthal und Chorweiler gibt es tatsächlich wahrnehmbare Unterschiede. Ebenfalls karnevalistische Bezüge könnte der Rundgang durch die Kabarettszene der Region haben. Hat er aber nicht. Denn zunächst berichtet Anne Nüme von einem Veranstaltungsausfall. Wegen des plötzlichen Todes eines seiner Mitspieler kann das Anarcho-Komödianten-Trio ARS VITALIS nicht in der COMEDIA auftreten. Köln trauert um KLAUS D. HUBER. Viele andere Gastspiele in diesem Genre, die in dieser Ausgabe empfohlen seien, finden natürlich statt. Und auch die etwas ernstere Musik lockt zur Narrenzeit. Die stilistische Spanne hierbei ist breit. Der 25jährige ehemalige Emo-Rocker SKILLEX zerdeppert seinen PC auf der Bühne wie früher nur Pete Townsend seine Klampfe, und einer der Erfinder des Rock’n‘Roll, der 85jährige BIG JAY MCNEELY, spielt sein Saxophon schon mal liegend auf der Bühne.
Zwei außerordentliche Filme seien hier noch erwähnt. Zum einen geht es um einen Stummfilm in Schwarz-Weiß, gedreht im Jahr 2011, der nun in die Filmtheater kommt. THE ARTIST ist eine Hommage an das alte Kino und zeigt die Geschichte eines Schauspielers, dem den Sprung zum Tonfilm nicht gelingt, und der auch in Sachen Frauen keine Fortune mehr hat. Eine andere tragische Liebesgeschichte erzählt YOUNG ADULT. Eine Enddreißigerin will da anknüpfen, wo sie 20 Jahre zuvor aufgehört hat. Wie schrieb einst Tucholsky: „Und darum wird beim Happy End im Film jewöhnlich abjeblendt“.
Tina in Düren
Intro zum Monat Mai 05/12
Der liebe Herr Lukas P.
Intro zum Monat April 04/12
Nun messen sie sich auf politischem Parkett
Eine Reportage aus Honduras: über zwei Präsidenten und ein brisantes Duell an den Wahlurnen – Ungeschminkt 03/12
„Europa hat die Menschenrechte vergessen“
Im Interview: Manuel Zelaya, der vom Militär gestürzte frühere Präsident von Honduras – spezial 03/12
Neben der A57
Intro zum Monat März 03/12
Ein Käse mit vielen Löchern
Kölns Kulturentwicklungsplan im Gespräch – spezial 01/12
Falling down am Kölner Ring
Intro zum Monat Januar 01/12
Auslegen, anbauen, aufdecken
Entdeckungen auf der Essener SPIEL ‘11 – choices spezial 12/11
Bambi-Bitch
Intro zum Monat Dezember 12/11
Liebe Frau Piel!
Intro zum Monat November 11/11
Die schwarze Gefahr
Intro zum Monat Oktober 10/11
Von Ameisenkünstlern und anderen Überfliegern
Erfolgsmeldungen aus der Kölner Hochschullandschaft - Jubiläum 10/11
Zum Durchdrehen
Intro zum Monat September 09/11
Müffelnde Mädchen
Intro zum Monat August 08/11
Heavy Metal
Intro zum Monat Juli 07/11
Hoch die Tassen und Gläser!
Findling 07/11
Nomen est omen
Intro zum Magazin 06/11
Bunga Bunga Balla Balla
Magenbitter 05/11
Das Doppelkoppmonster
Intro zum Magazin 05/11
taz-Medienkongress in Berlin
In Berlin wurde die Zukunft der Medien verhandelt. Die taz hatte geladen, um zu klären, wie Mister Twitter Old Mubarak stürzte - choices spezial 04/11
Atomausstieg - nachhaltig umschalten!
Ökologische Gegenwarts- und Zukunftsfragen - die Kulturmagazine choices, engels und trailer-ruhr seit vielen Jahren mit 'grünen Seiten', nicht erst seit Fukushima - choices spezial 04/11
Verrückt nach mehr
Findling 04/11
Kunst durch Vorbeischauen
Dämonen sind schlau. Viele Reize, wenig Tatsachen - Magenbitter 04/11
Déjà-vu
Intro zum Magazin 04/11