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Brachial-feminine Pop-Art: „Axell-Ération“
Foto: © VG Bild Kunst, Museum Abteiberg Mönchengladbach

Frauen hinterm Steuerknüppel

Das Museum Abteiberg in Mönchengladbach zeigt die Künstlerin Axell – Kunstwandel 09/11

Pop Art kennt jeder. Große Ausstellungen feiern das Genre bis heute. Schicke Frauen waren ein beliebtes Oeuvre: siehe Mel Ramos, Roy Lichtenstein und all die anderen Männer, die den Sex in bunte Hüllen packten. Pop Art war männlich, Frauen als Künstlerinnen tauchten in den weltweiten Übersichtsschauen kaum auf. Evelyne Devaux (1935-1972) war eine dieser Pop Art-Künstlerinnen. Der Name ist nicht geläufig. Axell nannte sie sich, auch um nicht schon beim Namen unmittelbar in die Geschlechterfalle zu tappen. Aber auch bei diesem Synonym klingelt es nur bei echten Experten.

Das Museum Abteiberg in Mönchengladbach zeigt nun eine Retrospektive dieser belgischen Künstlerin, die mit dem französischen Filmemacher Jean Antoine verheiratet war, über dessen Dokumentarfilme Filmstars und die führenden Avantgarde-Künstler der Zeit kennen lernte, dann beim Surrealisten René Magritte Privatunterricht bekam, und das alles, nachdem sie selbst bereits eine Ikone der frühen belgischen Fernsehkultur war.

Über 60 Exponate sind in der hellen, positiv durchsichtig gehängten Ausstellung zu sehen, zwischendurch ein paar Werke von Zeitgenossen außerhalb der Pop Art. Ihre Arbeiten sind flächig bunt, ganz im figurativen Pop-Stil der späten 1960er Jahre. Sex war da längst artifiziell verwertbar, auch als Medium zur Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen und Axell vertrat mit ihrer unverblümten erotischen Symbolik insbesondere energisch die Freiheiten der Frauen mit ihrem Pseudonym, in dem sich der Begriff Beschleunigung (Accélération) verbirgt.

Ihr eigener Körper stand Modell, wurde zur Projektionsfläche und zur poppigen Marke. Nach Ölmalerei auf Leinwand, wechselte sie zu Emaillelackfarben auf Plexiglas, einem Material, das zu der Zeit ziemlich futuristisch daher kam, damit erreichte sie in mehreren Schichten aber Ebenen mit nicht nur technisch unterschiedlicher Tiefe. Die dreidimensionale Collage hat zwar das schablonenhafte in ihrer Malerei nicht verändert, aber die Konturen hatten nun eine doppelte Optik, es entstand quasi ein visuelles Druckverfahren. Noch in Öl ist das Bild, das den Ausstellungstitel lieferte: zwei Füße in roten Highheels, der rechte drückt brachial auf ein Gaspedal, verliert fast den Schuh. „Axell-Ération“ ist der Titel dieses 1965 entstandenen Bildes. Viele Posen zwischen Erregung und Exhibitionismus, zwischen Erotik und pornografischer Andeutung sind in Verbindung gebracht mit dem Automobil, dem Sinnbild für Geschwindigkeit und moderne Technik der 1960er. Da steht sie den männlichen Pop-Artisten in nichts nach. Die schnellen Fahrzeuge begleiteten ihr Leben als Schauspielerin und Fernsehmoderatoren, später auch als Künstlerin. Bereits als Zwölfjährige hatte sie für Fotografen vor einem Sportwagen posiert. im Alter von nur 37 Jahren starb sie auf dem Beifahrersitz eines Sportwagens auf einer Landstraße bei Gent. Acht Jahre Kunstschaffen endeten abrupt, wie auch ihr Bekanntheitsgrad. Im Moment machen die Pop Art Künstlerinnen wieder von sich reden. In der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen wird bis Oktober die Schau „Power Up! Female Pop-Art“ gezeigt. Auch hier ist Axell vertreten, unter anderem mit dem Werk Erotomobile, einem lesbischen Kuss hinter einem realen roten Autopneu.

„Axelleration“ I Bis 3.10. I Museum Abteiberg Mönchengladbach I Infos: 02161 25 26 37, www.museum-abteiberg.de

PETER ORTMANN

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