
Gianni und die Frauen
I 2011, Laufzeit: 90 Min., FSK 0
Regie: Gianni Di Gregorio
Darsteller: Gianni Di Gregorio, Valeria de Franciscis Bendoni, Alfonso Santagata, Elisabetta Piccolomini,
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Abgesang auf Altmänner-Phantasien
Zweisam einsam
„Gianni und die Frauen“ von Gianni Di Gregorio
In seinem Regie-Debüt „Das Festmahl im August“ (2008) erzählte der Schauspieler und Drehbuchautor (u.a. „Gomorrah“) Gianni Di Gregorio von einem arbeitslosen Römer, der sich an Maria Himmelfahrt nicht ganz freiwillig um seine Mutter und drei weitere Seniorinnen kümmern muss. Der vor allem durch das natürliche Spiel der vier Laiendarstellerinnen überzeugende Film gewann zahlreiche Preise auf internationalen Filmfestivals. Nun kehrt Gianni mit seiner aristokratischen Film-Mama – der wunderbaren 96jährigen Valeria Di Franciscis Bendoni – auf die Leinwand zurück. Diesmal als Frührentner, der mit seiner noch arbeitenden Frau und der fast erwachsenen Tochter in einer bescheidenen Wohnung im römischen Stadtteil Trastevere zusammenlebt, aus der der Sex schon längst ausgezogen ist. Seine verschwendungssüchtige Mutter wohnt dagegen in einer feudalen Villa und verprasst, mit ihren Freundinnen Champagner schlürfend, Giannis Erbe. Ein Versuch von ihm und seinem Busenfreund Alfonso (Alfonso Santagata), sie ins Altersheim abzuschieben, scheitert kläglich an ihrem immer noch hellwachen Geist. Als der in den Tag hinein lebende Gianni entdeckt, dass sein vergreister Nachbar ab und an hinter der Theke eines kleinen Tante-Emma-Ladens verschwindet, um die dralle Besitzerin zu befingern, macht er sich auf die Suche nach einer Affäre, die seine verloren geglaubte Libido wiedererwecken soll. Doch sein Versuch, das Leben noch einmal zu leben, scheitert sowohl bei seiner ersten großen Liebe Valeria (Valeria Cavalli) wie auch bei der schönen Haushälterin (Kristina Cepraga) seiner Mutter und der gegenwärtigen, heimlichen Liebe Gabriella (Gabriella Sborgi).
Di Gregoria hat diesen verzweifelten Versuch, die Jugend und die Liebe zurück zu holen und dem Alter und der Einsamkeit zu trotzen, mit einem Hauch von Wehmut und zärtlichem Humor überzogen. Dabei porträtiert er nicht nur einfühlsam die Lebenswelt älterer Menschen, sondern bezieht auch ihr soziales Stadtteil-Umfeld fernab jeder Touristen-Romantik in die Handlung mit ein. Die unspektakulären aber atmosphärisch stimmigen Bilder von Kameramann Gogo Bianchi und die autobiographischen Züge der von Di Gregorio selbst gespielten Titelfigur verleihen dem präzis beobachtenden Film dabei einen fast dokumentarischen Charakter. Tatsächlich hatte sich Di Gregorio doch selbst jahrelang um seine verwitwete Mutter gekümmert. So verfängt sich seine Inszenierung nie in der lauernden Klischeefalle, bedient weder die heute gängig gewordene, spätpubertierende Gag-Schiene, noch macht er sich auf Kosten seiner Protagonisten lustig. Ganz unaufgeregt taucht er in eine Welt ein, die das Kino leider allzu selten entdeckt. So entwickelt man viel Sympathie für die jederzeit authentisch wirkenden Darsteller und bisweilen mündet unser Schmunzeln auch in nachdenkliche Selbsterkenntnis.

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