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Astro Boy, Regie: Tezuka Osamu, Japan ab 1963 (Collection of Mike & Jeanne Glad)
Foto: Presse

Es war einmal in Japan

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt „Anime! High Art – Pop Culture” – Kunstwandel 11/11

Für Erwachsene hatten Micky Maus-Hefte schon immer ihren besonderen Charme. Man konnte sie den Sprösslingen kaufen und dann selbst lesen. Die internationale Comic-Kultur steckte in Deutschland (eigentlich bis heute) lange noch in den Kinderschuhen. Erst Mitte der 1970er Jahre schien man eine eigene Form gefunden zu haben, Heidi und Peter in den Bergen, der Großvater und die Ziegen, unvorstellbar, dass auch diese TV-Serie aus Japan kam und eigentlich „Alps No Shoujo Haiji“ heißt. In der Bundeskunsthalle in Bonn hat man sich dem Thema passend zum Japan-Jahr ausführlich angenommen und zeigt dort die Ausstellung „Anime! High Art – Pop Culture“, die insbesondere der besonderen Form des asiatischen Trickfilms nachspürt, die dort längst den Alltag erobert und die künstlerische Avantgarde beeinflusst.

Eine gigantische dreidimensionale Totoro-Figur aus dem Film „Mein Nachbar Totoro“ (Studio Gibli, 1988) von Hayao Miyazaki steht am Eingang mit Regenschirm Wache, dann geht es hinein in das gezeichnete Reich der Fantasie. Die Schau ist eine gelungene Hommage an „Astro Boy“, der bereits 1952 entstand, an „Dragonball“ von 1984, aber auch an die neuen Anime-Kracher wie die DVD-Verfilmungen von „Neon Genesis Evangelion“ oder „Ghost in the Shell“. Das Anime-Genre teilt sich drei Altersgruppen, kleine Kinder und Jugendliche und Erwachsene, die Grenzen sind dabei fließend, doch auch die Geschlechter teilen eigene Systeme: Die „Shojo Anime", richten sich speziell an junge Mädchen, hier glänzen Heldinnen in glitzernden Kostümen, kämpfen nette Burschen gegen fiese Gnome der magischen Welten. „Shonen Anime“ soll dagegen mehr was für Jungs sein: Hier geht es um Sport oder um Monster, die mit diversen Waffenarsenalen bekämpft werden. Die „Seinen Animes“ für die Älteren gehen einen Schritt weiter und verlieren sich in Science Fiction, mit und ohne Horror-Implementierungen. Alles ist in Bonn dokumentiert und mit Beispielen belegt. Nur für die erotischen Filme baute man einem separaten „Pink Room“, der seine Schätze erst hinter aufzuklappenden plüschigen Laden preisgibt. Das bleibt allerdings eine recht harmlose Sache, angesichts der Anime-Hardcore-Streifen, die inzwischen auch die Pornoindustrie erreicht haben. Viel interessanter sind da die zwei Kinosäle, in denen die wichtigsten Filme gezeigt werden, und die enorme Anzahl an Sammel-Figuren, die in Vitrinen gesichert werden müssen, weil sie teilweise enorm begehrt und wertvoll sind. Hier wurde von einem Sammler extra für die Ausstellung noch einmal kräftig nachgekauft.

Die bunte Welt ist also ein Magnet für ganze Familien, die sich darin verlieren können; Insider sehen lange nicht mehr Entdecktes oder inhaltliche Zusammenhänge, die nur in der Fülle zu erkennen sind. Auch die Cosplayer, das sind Menschen, die kostümiert in die Rollen ihrer Helden schlüpfen, wurden nicht vergessen. Am Schluss lässt selbst Godzilla grüßen: Es scheint so, als hätten die Geschichten der Animes selbst Katastrophen wie Tsunamis oder Atomkraftunfälle vorweggenommen.

„Anime! High Art – Pop Culture” I bis 8. Januar 2012 I Bundeskunsthalle Bonn I 0228 917 10

PETER ORTMANN

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