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Ai Weiwei - Never Sorry

Der große Chinese

11. Juni 2012

Die Filmstarts der Woche

„Fuck you, motherland!“ Ai Weiwei ist nicht nur der meist gefeierte zeitgenössische Künstler Chinas, sondern auch Blogger, Dokumentarfilmer, Fotograf und unermüdlicher Kämpfer für Menschenrechte. Alison Klayman hat mit „Ai Weiwei - Never Sorry“ (Cinenova, OFF Broadway) ein Portrait über ihn gemacht, das diese vielen Persönlichkeiten zu einer mächtigen Figur verdichtet. Die größte dokumentarische Leistung von Klayman ist, dass sie den Film nicht von seinem Wendepunkt aus erzählt – der Verhaftung und dem Verschwinden Ai Weiweis im April 2011. Sie bedient sich nicht der üblichen Mediendramaturgie. Als der Künstler zum Ende des Films verhaftet wird und erst Monate später sprachlos zurückkehrt, wirkt die Kraft der Szene umso größer.

Bereits beim diesjährigen Kölner Frauenfilmfestival sorgte die französische Tragikomödie „17 Mädchen“ (Cinenova, OmU im Filmhaus) für Aufsehen. Eine Handvoll Schülerinnen beschließen, aus der Tristesse und Perspektivlosigkeit ihrer Kleinstadt auszubrechen, indem sie sich schwängern lassen. Der Film nähert sich atmosphärisch gelungen den Problemen und Ängsten seiner Protagonistinnen – und der elterlichen Machtlosigkeit.

Nach „East is East“ heißt es nun „West is West“ (Cinenova, Filmpalette). Irgendwann platzt dem nach England immigrierten Familienvater George „Dschingis“ Khan der Kragen: Er setzt sich mit seinem respektlosen Sohn ins Flugzeug gen Pakistan, um ihn seinen Wurzeln näher zu bringen. Dabei wird auch der Vater mit seinen Verfehlungen konfrontiert. Verklärtes, leichthändig inszeniertes Familiendrama mit naivem Bollywoodeinschlag.

Arnon Goldfingers Dokumentation „Die Wohnung“ (Filmpalette, Odeon) berichtet vom ungewöhnlichen Erbe seiner verstorbenen Großmutter aus Tel Aviv. In deren Unterlagen stößt Goldfinger auf eine erstaunliche Freundschaft seiner Großeltern mit dem SS-Offizier Leopold von Mildenstein und seiner Frau. Der pro-zionistische Journalist war Adolf Eichmanns Vorgänger und später in Goebbels Presseabteilung. Auch nach dem Krieg – Mildenstein war nun in der Presseabteilung von Coca Cola – pflegten die Ehepaare ihre Freundschaft. Ein so spannender wie nachhaltig verwirrender Dokumentarfilm über eine ungewöhnliche Verbindung.

Außerdem neu in den Kinos: Jan Fehses Psycho-Kammerspiel „Jasmin“ (Odeon), das 80er-Rockmusical „Rock of Ages“ (Cinedom, Residenz, UCI, Woki Bonn) sowie Steve Martin, Owen Wilson und Jack Black in „Ein Jahr vogelfrei“ (Cinedom, UCI). Chaotisch geht es außerdem in der britisch-australischen Komödie „Die Trauzeugen“ (Cinedom, UCI) zu.

Redaktion choices.de

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