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Kazuo Soda mit Übersetzerin im Japanischen Kulturinstitut Köln im Jahr 2005
Foto: Lutz Debus

Déjà-vu

Intro zum Magazin 04/11

Seit Monaten fühlte ich mich in einem fortwährenden Déjà-vu gefangen. Massenproteste erzwingen den Rücktritt grausamer Despoten. Andere Despoten wiederum versuchen, aus ihrem Land einen Platz des himmlischen Friedens zu machen. Ein havarierender Atomreaktor verstrahlt weite Landstriche. Werden die Achtziger Jahre des letzten Jahrtausends - neu inszeniert - in den Spielplan dieser Welt wieder aufgenommen? Manche Bilder der letzten Wochen lösen sogar längst vergessen geglaubte Erinnerungen aus. Vor knapp sechs Jahren besuchte der damals 75-jährige Kazuo Soda das Japanische Kulturinstitut Köln und berichtete von dem Atombombenabwurf von Nagasaki, den er selbst miterlebte. „Ich sah viele Menschen den Berg hinaufkriechen. Die Haut hing ihnen in Fetzen herunter. Sie bettelten nach Wasser. Wir hatten aber keines.“ Auch erzählte er davon, wie er als Überlebender in Japan ausgegrenzt wurde. Niemand wollte an den Krieg und die beiden Atombombenabwürfe erinnert werden. Nun erleidet das Land der aufgehenden Sonne ein weiteres Atom-Debakel. Wer seine Geschichte nicht kennt, so könnte man meinen, scheint gezwungen, sie zu wiederholen.

Eigentlich ist die Realität schon mörderisch genug, trotzdem boomt der Krimimarkt. Auch in Köln und Umgebung wird telegen und literarisch gemeuchelt, was das Zeug hält. In der Eifel lässt Jacques Berndorf entleiben, am Niederrhein besorgt dieses Geschäft das Autorentrio Leenders/Bay/Leenders. Das CHOICES-THEMA im April widmet sich folgerichtig der KRIMI-ZONEKÖLN. Auch sehr viel Dramatik wird dem Publikum beim Theaterfestival HEIMSPIEL geboten. Die gezeigten Produktionen setzen sich mit lokalen Geschichten auseinander und beziehen bei der Darstellung Laiendarsteller aus der jeweiligen Stadt mit ein. Da wird die Wendezeit 1989 in Jena auf die Bühne gestellt, da lässt sich im Jahr 1933 ein sinto-deutscher Boxer mit blonder Perücke demonstrativ im Ring ohne Gegenwehr niederschlagen. In unserer Literaturecke empfehlen wir Bücher von und über PAULA FOX, die Oma der Skandalrockröhre Courtney Love. Fox wurde als Kind von ihren Eltern weggegeben, verließ ihre Tochter, jene verließ wiederum ihre Tochter. Die Rolle der Rabenmutter kann eine Familientradition werden. Paula Fox schrieb übrigens hinreißende Kinderbücher. Auch mit Buchstaben, allerdings viel größeren, auf Leinwänden, arbeitet FERDINAND KRIWET. Aktuell sind seine Werke zu sehen in der KUNSTHALLE DÜSSELDORF. Ganz ohne Motive kommt JOEL SHAPIRO aus. Seine monochromen Bilder präsentiert derzeit das MUSEUM LUDWIG. Bunte Bretter, würden Kunstbanausen formulieren.

„Erst vögeln oder erst essen?“ Diese Frage der attraktiven Bahia irritiert Arthur, zumal er eher links ist und Bahia ansonsten nur mit Reaktionären Beischlaf tätigt, um sie eines Besseren zu belehren und so die Welt zu retten. DER NAME DER LEUTE, unser Film des Monats, zeigt, dass die hintergründige französische Komödie quicklebendig ist. Die britisch-rabenschwarze übrigens auch. Muslimische Gotteskrieger lassen in FOUR LIONS nicht nur einen Raben explodieren. Wer diesen Film gesehen hat, kann Islamisten nur noch auslachen. Und das ist ja auch schon mal was.

LUTZ DEBUS

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